Familiengruppe Lamellicornia Coleoptera
  Von Arved Lompe (n. V. Balthasar und div. Autoren)
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Baraud, J, (1992): Coléoptères Scarabaeoidea d'Europe - Faune de France, 78 Private Datei: F:\taxa\coleo\scans\Faune de France Scarabaeoidea.pdf
  Über die Gliederung der Lamellicornia bzw. Scarabaeoidea gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ich folge hier der Fauna Europaea, die weitgehend mit der Einteilung von Balthasar übereinstimmt.  
#1 Fühler mit 3-6-gliedriger einseitiger kammzahnartiger Keule, die Glieder starr. Überfamilie Lucanoidea

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-- 3 -7 Endglieder der Fühler blatt- oder lamellenartig verbreitert, eine Fächerkeule bildend, die Glieder beweglich. Fühler schwach gekniet, das Basalglied der länger als die übrigen [Abb.1]. Hierher so bekannte Arten wie Mai- und Junikäfer [Abb.2], Mistkäfer [Abb.3], Rosenkäfer [Abb.4] u.a.. Überfamilie Scarabaeoidea

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ABB017.GIF
Abb.1
MELOLONTHA VULGARIS
Abb.2
GEO SIL.GIF
Abb.3
PROTAETIA AERUGINOSA
Abb.4
#2a Kinn tief ausgerandet. Basalglied der Fühler nicht auffallend verlängert und die Fühler nicht gekniet [Abb.5]. 30-40 mm. Vorwiegend in den Tropen der Alten und Neuen Welt; 4 Arten in Nordamerika. Nicht in Europa. (Zuckerkäfer)

   ...Passalidae

PASSALUS SP
Abb.5
 
-- Kinn ohne Ausrandung. Fühler mit 3-6gliedriger einseitiger kammzahnartiger Keule, die Glieder starr. Fühler stark geniet, das Basalglied lang, schaftartig verlängert [Abb.6]. Hirschkäfer [Abb.7], Schröter [Abb.8] [Abb.9].

   ...Lucanidae

ABB018.GIF
Abb.6
LUCANUS CERVUS
Abb.7
SINODENDRON CYLINDRICUM
Abb.8
SYSTENOCERUS CARABOIDES
Abb.9
#3a Fühlerkeule oder deren 2 letzte Glieder matt, staubartig grau tomentiert; selten mehr als 3-gliedrig. Ganz ausnahmsweise ist die Fühlerkeule fast völlig glatt und glänzend. Propygidium und sehr oft auch das Pygidium vollkommen von den Flügeldecken bedeckt. Die Stigmen der Abdominalsegmente liegen in der Verbindungsmembrane zwischen den Tergiten und Sterniten [Abb.10]. Überwiegend coprophage und saprophage Arten, sehr selten necrophag oder micro-cavernicol. Mistkäferartige (Laparosticti)

   ...4a

SCARABAEOIDEA LAPAROSTICTI.GIF
Abb.10
 
-- Fühlerkeule 3-7 gliedrig, wie der restliche Fühler kahl oder spärlich mit Haaren besetzt, glänzend, nicht matt tomentiert, von normaler Beschaffenheit. Pygidium und sehr oft auch mehr oder weniger das Propygidium frei, von den Flügeldecken unbedeckt. Die Stigmen der Abdominalsegmente liegen in dem sklerotisierten obersten Teile der Sternite [Abb.11], welcher öfters etwas laterodorsal gerichtet ist. Sehr selten befinden sich die letzten Stigmen in dem untersten sklerotisierten Teile der Tergite. Überwiegend phytophage Arten, selten im Larvenstadium xylophag oder sapro-phytophag. Mai- und Rosenkäferartige (Pleurosticti)

   ...25a

SCARABAEOIDEA PLEUROSTICTI.GIF
Abb.11
 
#4a Fühlerfächer aus drei Gliedern zusammengesetzt.

   ...2

 
-- Fühlerfächer aus 5 Gliedern zusammengesetzt, Fühler 8-gliedrig. Diese Familie, welche bloß eine Gattung mit 2 Arten enthält, zeichnet sich durch ihren mehr an die Melolonthinen erinnernden Habitus aus. Männchen mit auffallend ausgehöhltem Halsschild [Abb.12], Weibchen neotenisch, ohne Schildchen, Flügeldecken und Flügel [Abb.13].

   ...Pachypodidae

PACHYPUS CANDIDAE
Abb.12
PACHYPUS CANDIDAE
Abb.13
#2 Clypeus bedeckt vollkommen die Oberkiefer und die Oberlippe, sehr selten sind die Spitzen der Mandibeln - von oben gesehen -- unwesentlich sichtbar. Die Mandibeln sind weder vergrößert noch abgeflacht, Clypeus sehr gut ausgebildet.

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-- Clypeus entweder verhältnismäßig klein, sodaß er die Oberkiefer und Oberlippe nicht bedeckt, oder er ist normal entwickelt, aber die Oberkiefer sind vergrößert (oft auch mehr oder weniger abgeflacht), sodaß sie, samt dem Apikalrande des Labrums, von oben gut sichtbar sind.

   ...6

 
#3 Die Hinterschienen tragen bloß einen terminalen Sporn. Pygidium von den Flügeldecken meist vollkommen unbedeckt, frei liegend, selten auf die Ventralseite umgeschlagen. Die Mittelhüften meist voneinander stark oder doch beträchtlich entfernt. Schildchen öfters unsichtbar. Sehr oft mittelgroße bis sehr große Arten mit stark entwickeltem Sexualdimorphismus, nicht selten in der Form und Farbe sehr auffallend [Abb.14].

   ...Scarabaeidae

SCARABAEUS VARIOLOSUS
Abb.14
 
-- Die Hinterschienen tragen 2 terminale Sporne, diese meistens ungleich lang (mit Ausnahme der in Europa nicht vertretenen Gattung Sybacodes, deren Hinterschienen keine Sporen tragen). Pygidium von den Flügeldecken größtenteils oder vollkommen bedeckt. Die Mittelhüften meistens genähert. Schildchen fast immer gut sichtbar. Fast durchwegs kleine bis sehr kleine, sehr selten fast mittelgroße Arten von unauffalligem Habitus und sehr gering entwickeltem Sexualdimorphismus.

   ...Aphodiidae

 
#6 Mandibeln und Oberlippe abgeflacht, prognath gerichtet, also annähernd in einer Ebene mit dem Clypeus stehend.

   ...6a

 
-- Mandibeln und Oberlippe steil schräg nach unten gerichtet, also nicht in einer Ebene mit dem Clypeus liegend. Mandibeln nicht abgeflacht. Fühler 10-, seltener 9-gliedrig, Augen nicht ausgerandet. Abdomen meistens nur aus 5 sichtbaren Sterniten bestehend. Pygidium vollkommen von den Flügeldecken bedeckt.

   ...6b

 
#6b Wangen nicht durch einen tiefen Einschnitt vom Kopfschild geschieden. Augen nicht durch die Wangen geteilt Hinterschenkel und Hinterschienen nicht verbreitert.

   ...Trogidae

 
-- Wangen lappenartig und vom Kopfschild durch einen tiefen Einschnitt getrennt. Durch sie werden die Augen geteilt. Hinterschenkel und Hinterschienen verbreitert.

   ...Glaresidae

 
#6a Die Fühler 11-gliedrig. Meist mittelgroße, plumpe Arten mit kurzem Abdomen und stark gewölbten Flügeldecken [Abb.3]. Nicht selten sind die sekundären Geschlechtsmarkmale bei den Männchen (besonders am Halsschilde in Form verschiedener Hörner, Leisten, Gruben etc.) stark entwickelt. Metallische Färbung kommt oft vor. Die Vorderschenkel haben sehr oft auf deren Innenseite ein ovales Feldchen von dichtem, rotbraunem Toment (ähnlich wie die Lucaniden), oder doch eine Reihe von auffallenden Borsten.

   ...Geotrupidae

GEO SIL.GIF
Abb.3
 
-- Die Fühler haben weniger als 11 Glieder.

   ...7

 
#7 Die Hinterschienen mit 2 Endspornen.

   ...8

 
-- Die Hinterschienen nur mit einem terminalen Sporn. Fühler 9-gliedrig, Augen klein, von oben nicht bemerkbar, dagegen die Mandibeln und Oberlippe sehr gut von oben sichtbar, stark entwickelt. Pygidium gut sichtbar, die Abdominalsegmente verwachsen. Familie(?)

   ...Aulonocnemidae

 
#8 Die Augen sind vorn durch einen Wangenfortsatz (Canthus) tief ausgerandet oder scharf und tief ausgeschnitten, mehr oder weniger in eine obere und eine untere Partie geteilt oder sehr klein, auf wenige Ommatiden reduziert.

   ...9

 
-- Die Augen sind nicht durch einen Wangenfortsatz ausgerandet, sie sind groß und stark gewölbt. Clypeus sehr kurz. Der innere Sporn der Mittelschienen ist kammartig, dicht und meist lang bezahnt [Abb.15]. Meist kleine, stark gewölbte, kurz ovale und überwiegend licht gelbbraun gefärbte Arten. Fühler 10-gliedrig, Bauch, aus 6 verwachsenen Segmenten bestehend. Subfamilie Ochodaeinae

   ...Ochodaeidae

OCHODAEIDAE HSCHN
Abb.15
 
#9 Oberlippe kürzer als die Oberkiefer, oder der Kopf an den Seiten mit zahnartigen Fortsätzen und die Hinterschienensporne am Ende fingerartig gezähnt.

   ...12

 
-- Die Oberlippe ist so lang wie die Mandibeln, welche die Oberlippe umrahmen. Fühler 9-gliedrig. Beine sehr kurz, die Tarsen aber lang und sehr schlank. Subfamilie Aclopinae

   ...Ochodaeidae

 
#12 Die Fühler sind 10-gliedrig. Familie

   ...13

 
-- Die Fühler sind 8- oder 9-gliedrig. Durchwegs kleine Arten. Habitus [Abb.16].

   ...Aegialiidae

   ...18

AEGIALIA ARENARIA
Abb.16
 
#13 Die Oberkiefer sehr kurz, sodaß sie von oben kaum sichtbar sind, dagegen ist die Oberlippe sehr gut sichtbar. Abdomen nur mit 5 sichtbaren Segmenten. Sehr artenarme Unterfamilie, welche einige kleine Arten enthält, die sich durch zahnartige Fortsätze an den Seiten des Kopfes und durch abgeflachte und am Ende verbreiterte, fingerartig gezähnte Sporen der Hinterschienen auszeichnen [Abb.17]. Subfamilie Dynamopinae

   ...Hybosoridae

DYNAMOPUS SP
Abb.17
 
-- Die Oberkiefer sind nicht verkürzt, sodaß sie von oben sehr gut sichtbar sind. Die Arten haben weder die zahnartigen Fortsätze an den Seiten des Kopfes, noch abgeflachte und am Apex fingerartig bezahnte Sporen der Hinterschienen.

   ...15

 
#15 Die Fühlerkeule halbkugelig, indem das erste große, glatte Glied der Keule die übrigen zwei Glieder in eine tiefe Aushöhlung aufnimmt [Abb.18]. Sie werden nur bei der sensorischen Tätigkeit des Fühlers ausgebreitet. Kurzovale, stark gewölbte Arten, mit kurzem Bauch, welcher aus 5 oder 6 sichtbaren, verwachsenen Segmenten besteht. Subfamilie Hybosorinae.

   ...Hybosoridae

HYBOSORIDAE F.GIF
Abb.18
 
-- Die Fühlerkeule normal gebaut, aus 3 freistehenden Gliedern bestehend. Bauch besteht aus 6 freien Sterniten. Die hintere Hälfte des Pygidiums ist meist gut sichtbar. Kleine Arten, aber oft mit stark ausgesprägtem Sexual-Dimorphismus (Hörner, Fortsätze, Leisten und Gruben auf Kopf und Halsschild bei den ♂). Hierher auch Arten mit sehr stark reduzierten Augen, die nur aus wenigen Ommatiden bestehen. Habitus [Abb.19].

   ...Orphnidae

CHAETONYX ROBUSTUS
Abb.19
 
#25a Vorderrand der Vorderbrust in der Mitte beulenförmig emporgehoben und länger abstehend behaart. Oberkiefer meist blattartig verbreitert und leicht aufgebogen, oft gezackt, von oben deutlich sichtbar. ♂ zum Teil mit mächtiigen Auswüchsen auf Kopf und Halsschild [Abb.20] (besonders bei Arten aus den Tropen und der Neuen Welt).

   ...Dynastidae

ORYCTES NASICORNIS
Abb.20
 
-- Vorderrand der Vorderbrust einfach. Oberkiefer von oben nicht sichtbar.

   ...26a

 
#26a Der bewegliche Sporn auf der Innenseite der Vorderschienen befindet sich vor der Spitze, dahinter (an der Spitze) sind die Tarsen eingelenkt, oder der Sporn fehlt (bei den Hoplinae ganz), der Spitzenrand der hinteren 4 Schienen ist nicht scharfkantig gezackt (gefingert).

   ...27a

 
-- Der Sporn der Innenseite der Vorderschienen steht an der Spitze, hinter der Tarseneinlenkungsstelle; der Spitzenrand der hinteren 4 Schienen ist scharfrandig gezackt oder gefingert. Habitus [Abb.4] [Abb.21].

   ...Cetoniidae

PROTAETIA AERUGINOSA
Abb.4
TRICHIUS SP
Abb.21
#27a Beide Klauen sind +/- gleich ausgebildet und von gleicher Länge.

   ...28a

 
-- Die Fußkrallen von ungleicher Länge oder ganz unterschiedlich ausgebildet; die hintere oftmals ganz geschwunden, die andere beweglich.

   ...Rutelidae

 
#28a Flügeldecken an der Naht bis zum Ende geschlossen und +/- gemeinsam abgerundet, zum Pygidium abfallend.

   ...29a

 
-- Flügeldecken klaffend und am Ende einzeln abgerundet oder zugespitzt, gerade nach hinten gestreckt. Lang, zottig behaart (hummelähnlich) [Abb.22]. Clypeus wie bei den Cetoniidae an der Basis zur Aufnahme der Fühlereinlenkung ausgerandet.

   ...Glaphyridae

EULASIA PAREYSSEI
Abb.22
 
#29a Fühler 7- bis 10-gliedrig mit 3-7 gliedriger Fächerkeule [Abb.23], die äußeren nicht becherförmig und die vorhergehenden umschließend. Vorderschienen der ♂ nicht verlängert, mit einem bewegliche Innensporn an der Spitze der manchmal fehlt; Vorderschienen der ♀ mit höchstens 4 Zähnen an der Außenkante.

   ...Melolonthidae

SERICA BRUNNEA
Abb.23
 
-- Fühler 10-gliedrig mit 3-gliedriger Keule, das äußerste Glied becherförmig und das mittlere umschließend [Abb.24]. Vorderschienen der ♂ stark verlängert, der apikale Innenspron mit der Schiene verwachsen; Vorderschienen der ♀ außen mit mehr als 4 Zähnen. Habitus [Abb.25].

   ...Euchiridae

PROPOMACRUS BIMUCRONATUS
Abb.24
PROPOMACRUS BIMUCRONATUS
Abb.25
  Aegialiidae
Aphodiidae
Aulonocnemidae
Cetoniidae
Dynastidae
Euchiridae
Geotrupidae
Glaphyridae
Glaresidae
Hybosoridae
Lucanidae
Melolonthidae
Ochodaeidae
Orphnidae
Pachypodidae
Passalidae
Rutelidae
Scarabaeidae
Trogidae
     Erstellt am: 12.06.2013
Letzte Aktualisierung: 23.02.2016 - 01:01:24
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