Unterfamilie Alleculinae Coleoptera - Polyphaga - Heteromera - Tenebrionidae
  Von Arved Lompe (n. Z. Kaszab, E. Reitter)
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Reitter, E. (1906 ): Bestimmungstabellen der europäischen Coleopteren - Heft 57 Enthaltend Alleculidae - 1. Theil Omophlini - Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn, 44:115-175 Reitter-Best-Tab-Heft57.tif
  Körper gestreckt, meist oval. Kopf breit, rundlich oder vorgestreckt, an der Basis der Oberlippe mit breiter, glänzender Haut. Fühler vor den Augen, unter den etwas erweiterten Wangen eingefügt, die Fühlerwurzel wird jedoch durch die Erweiterung der Wangen nicht bedeckt. Augen rundlich oder vorn leicht ausgerandet. Halsschild meist quer. Seiten entweder gerandet oder der Rand verschmolzen, Vorderecken in den meisten Fällen vollkommen abgerundet. Flügeldecken breit, die Basis ungerandet, Schulterbeulen bei den geflügelten Arten gut ausgebildet. Die Epipleuren der Flügeldecken bis zur Spitze allmählich verengt oder vor der Naht verkürzt. Vorderhüften kugelig oder leicht kegelförmig, die Hüftenhöhlen der Vorderhüften hinten geschlossen. Die Mittelhüften schmal getrennt, die Hinterhüften fast einander berührend. Alle Krallen gekämmt oder gezähnt. Zwischen den 3 hinteren Hinterleibsterniten mit glänzender Gelenkhaut. Bei ♀ 5 oder 6 frei sichtbare Hinterleibsternite, bei ♂ 6 oder 7. Die ♂ haben längere Fühler, größere Augen und ein Hinterleibsternit mehr. Lebensweise sehr verschiedenartig. In Baumschwämmen, in verpilzten Bäumen, unter loser Rinde alter Bäume; diese Arten sind Nachttiere. Andere wärme- und sonneliebend auf Blüten, an blühenden Bäumen (Eichen, Eschen) am Waldrand. Larven in Baumschwämmen oder in morschem Holz oder im Boden, zwischen den Wurzeln verschiedener Pflanzen. Die Alleculinae wurden früher als eigenständige Familie betrachtet.  
#1 Der scharfe Rand der Hinterhüften mit dem 1. Hinterleibsternit im gleichen Niveau gelegen. Das 1. Hinterleibsternit vorn, die übrigen seitlich gerandet. Vorderrand der Augen durch die daranstoßenden Wangen stark ausgeschnitten. Fühler dicht vor den Augen eingefügt [Abb.1]. Hinterleib besteht aus 5 sichtbaren Sterniten, ein 6. nur bei den ♂ einiger Arten vorhanden. Das Ende der Kiefer meist eingeschlitzt. Das Endglied der Kiefertaster viel größer als das vorhergehende. Tribus Alleculini.

   ...2

PSEUDOCISTELA CERAMBOIDES
Abb.1
 
-- Das 1. Hinterleibsternit liegt niedriger als die Hinterhüften. Das 1. Sternit des Hinterleib vorn und die übrigen seitlich nicht gerandet. Vorderrand der Augen nicht oder nur leicht ausgerandet, die Wangenwinkel berühren nicht die Augen, die Fühler sind unter den Wangenwinkeln eingefügt [Abb.2]. Hinterleib besteht aus 6 Sterniten, bei den ♂ einiger Arten aus 7 Sterniten. Das Endglied der Kiefertaster nur wenig größer als das vorletzte. Tribus Omophlini.

   ...9

CTENIOPUS FLAVUS
Abb.2
 
#2 Das vorletzte Glied aller Tarsen mit einem unter das Klauenglied vorgezogenen Lappen [Abb.3] [Abb.4]. Subtribus Alleculina.

   ...3

ALLECULA ATERRIMA
Abb.3
PSEUDOCISTELA CERAMBOIDES
Abb.4
-- Das vorletzte Glied aller Tarsen einfach [Abb.5], ohne vorgezogenen Lappen.

   ...6

PSEUDOCISTELA CERAMBOIDES
Abb.5
 
#3 Das 2. Fühlerglied beider Geschlechter stark verkürzt, das 3. demgegenüber langgestreckt. Flügeldecken regelmäßig gestreift.

   ...4

 
-- Beim ♂ ist das 2. und 3. Fühlerglied sehr kurz, vom 4. Glied an langgestreckt, beim ♀ ist das 3. Glied länger als das 2., jedoch kürzer als das 4.; Vorderbrust vor den Vorderhüften lang und flach. Flügeldecken nur innen und am Ende mit schwachen Furchen, die Punktierung nicht in Reihen geordnet.

   ...Hymenalia Muls.

 
#4 Flügeldecken gestreift [Abb.6], die Reihenpunkte der Streifen sind aber nicht größer als die Punkte der Zwischenräume. Halsschild stark quer, die Basis kaum schmäler als die Flügeldecken, nach vorn in einem Bogen verengt. Vorderbrust vor den Vorderhüften kurz, nur halb so lang wie die Gelenkhöhlen der Vorderbeine; Fühler ziemlich dick, kürzer als die halbe Körperlänge.

   ...Prionychus Sol.

PRIONYCHUS ATER
Abb.6
 
-- Flügeldecken gestreift, die Punktreihen sind grob. Vorderbrust vor den Hüften länger als die Gelenkgruben der Vorderhüften.

   ...5

 
#5 Das Endglied der Kiefertaster groß, quer und beilförmig [Abb.7]. Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, nach vorn schwächer verengt [Abb.8]. Seiten stumpf und fein gerandet. Hinterschenkel lang, den Seitenrand der Flügeldecken weit überragend. Die Streifen der Flügeldecken tief. Körper gestreckt und im Querschnitt stark gewölbt.

   ...Allecula Fabr.

ALLECULA MORIO
Abb.7
ALLECULA MORIO
Abb.8
-- Das Endglied der Kiefertaster klein und dreieckig. Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken, quer, vorn ungerandet. Fühler dicker, die halbe Körperlänge nicht erreichend. Hinterschenkel nicht auffallend lang. Flügeldecken seichter gestreift. Körper flach.

   ...Hymenorus Mulsant, 1852

 
#6 Fühler dick und die Behaarung der Fühler abstehend. Die Punktreihen der Flügeldecken fein, Oberseite meist mit abstehender, langer Behaarung. Subtribus Mycetocharina.

   ...Mycetochara Berth.

 
-- Fühler gestreckt, mit feinen, anliegenden Haaren bedeckt oder scheinbar kahl. Flügeldecken ebenfalls kahl oder mit äußerst feiner, anliegender Behaarung. Subtribus Gonoderina.

   ...7

 
#7 Seitenrand des Halsschilds nur vor den Hinterecken gerandet, vorn abgerundet, nicht gerandet, ohne Vorderwinkel. Die punktierten Streifen der Flügeldecken kräftig. Flügeldecken immer hellzimtbraun. Oberseite sehr fein behaart, fast matt.

   ...Pseudocistela Crotch

 
-- Seitenrand des Halsschilds vollständig gerandet, der Rand geht in einem Bogen in den Vorderrandüber.

   ...8

 
#8 Oberseite kahl. Die punktierten Streifen der Flügeldecken scharf [Abb.9]. Halsschild ringsum kräftig gerandet, vorn abgestutzt.

   ...Gonodera Muls.

GONODERA LUPERUS
Abb.9
 
-- Oberseite fein und dicht behaart. Flügeldecken nicht oder nur fein gestreift. Scheibe des Halsschilds halbkreisförmig [Abb.10], vorn nicht abgestutzt, ringsum fein gerandet.

   ...Isomira Muls.

ISOMIRA THORACICA
Abb.10
 
#9 Nur mitteleuropäische Gattungen.

   ...9a

 
-- Alle Gattungen Europas und der angrenzenden Gebiete.

   ...10a

 
#9a Epipleuren der Flügeldecken den Nahtwinkel fast erreichend, hinten aber manchmal schmal.

   ...10

 
-- Epipleuren der Flügeldecken nur bis zu den Hinterhüften entwickelt oder höchstens bis zum 3. Hinterleibsternit reichend. Halsschild schmäler als die Flügeldecken. Körper schwarz, Flügeldecken braungelb [Abb.11].

   ...Omophlus Solier.

OMOPHLUS PROPAGATUS
Abb.11
 
#10 Halsschild quer, fast halbkreisförmig, so breit wie die Flügeldecken, nach vorn abgerundet verengt, nur die Basis fein gerandet. Kopf hinter den Augen eingeschnürt (Kopf 9:1). Körper ganz schwarz.

   ...Podonta Muls.

 
-- Halsschild weniger quer, die Basis und der Vorderrand scharf gerandet, viel schmäler als die Flügeldecken, nicht halbkreisförmig. Kopf vorn schnabelförmig vorgezogen [Abb.2]. Der ganze Körper gleichmäßig fein und dicht punktiert. Körper gelb oder größtenteils gelb [Abb.12].

   ...Cteniopus Sol.

CTENIOPUS FLAVUS
Abb.2
CTENIOPUS FLAVUS
Abb.12
#10a Abdomen am Vorderrande fein gerandet, mit einem scharfen Ausschnitt für die Hinterhüften (wie bei den Alleculini). Halsschild meistens so breit als die Flügedecken, an der Basis am breitesten, nach vorne gerundet verengt.

   ...11

 
-- Abdomen auch am Vorderrande ungerandet, das 1. Sternit ohne scharfen Ausschnitt für die Hinterhüften, vielmehr unter den aufliegenden Hinterhüften nur flach und allmählig eingedrückt, Hinterhüften niemals scharfkantig am Hinterrande.

   ...12

 
#11 Hinterrand der Hinterhüften scharfkantig. Bauch aus 6 sichtbaren Sterniten bestehend. Körper. schwarz, selten der Thorax rot, fein schwarz behaart.

   ...Podonta Muls.

 
-- Hinterrand der Hinterhüften stumpfkantig, fast walzenförmig abgerundet, Bauch nur aus 5 Sterniten bestehend, das sechste kaum sichtbar. Körper gelb, sehr fein behaart. Körperform von Hymenalia oder Podonta mit stark abgerundeten Hinterwinkeln des Halsschildes.

   ...Holdhausia Reitter


Von Cistelina Seidl. durch kurzen Kopf, kürzere, dicht vor den Augen eingefügte Fühler und hauptsächlich durch 5 sichtbare Bauchsternite. verschieden. Cistelina scheint habituell wenig mit Podonta Gemeinsames zu haben.
 
#12 Vorderhüften durch einen dünnen Fortsatz des Prosternums getrennt, dieser hinter den Hüften in einen grossen, abgerundeten, lamellenartigen Fortsatz erweitert [Abb.13]. Mittelschienen des ♂ deutlich, stark, die Vorderschienen schwach gebogen [Abb.14]. Analsternit beim ♂ in der Mitte nicht ausgehölt oder ausgerandet, einfach gebildet.

   ...Megischia Redtenbacher, 1845

MEGISCHIA CURVIMANA
Abb.13
MEGISCHIA CURVIMANA
Abb.14
-- Der Prosternalfortsatz zwischen den Vorderhüften nach hinten nicht in einen grossen lappenformig abgerundeten Fortsatz verlängert.

   ...13

 
#13 Der dünne Prosternalfortsatz reicht bis zur Oberfläche der Vorderhüften oder ist wenig niedriger, diese daher deutlich von einander geschieden.

   ...14

 
-- Der Prosternalfortsatz zwischen den Vorderhüften erreicht nicht oder kaum die halbe Höhe der letzteren und ist von oben her nicht sichtbar, die Vorderhüften daher an der Spitze aneinander stossend.

   ...19

 
#14 Epipleuren der Flügeldecken nach oben fast gar nicht begrenzt und dadurch ganz geschwunden. Fühler kurz, Endglied der Maxillartaster langer als das vorhergehende Glied.

   ...Podontinus Seidl.

 
-- Epipleuren überall scharf begrenzt, bis gegen die Spitze deutlich sichtbar.

   ...15

 
#15 Endglied der Maxillartaster länger und an der Spitze breiter als das vorgehende Glied und sehr schräg abgeschnitten Fühler lang und schlank.

   ...16

 
-- Letztes Glied der Maxillartaster beim ♂ und ♀ so lang als das vorletzte oder etwas kürzer und nicht verbreitert, so breit als das dritte. Seiten des Halsschildes vorne meistens ungekantet und ungerandet. Halschild nach vorne konisch verengt.

   ...17

 
#16 Die Seiten des Halsschildes bis vorne scharf gerandet, mit deutlichen eckigen Vorderwinkeln. Halsschild schmäler als die Flügeldecken. Körper schwarz, selten der Thorax rot.

   ...Omophlina Reitt.

 
-- Seiten des Halsschildes vorne stumpf und ungerandet, ohne deutliche Vorderwinkel. Prosternum vorne schräg abfallend. Prosternalfortsatz zwischen den Vorderhüften breiter als gewöhnlich. Oberseite vorherrschend gelb.

   ...Cteniopinus Seidl.

 
#17 Epipleuren der Flügeldecken schmal, von den Hinterhüften gegen die Spitze sehr schmal. Fühler lang und fadenförmig. Kopf samt den grossen Augen kaum schmäler als der Thorax. Körper dünn und langgestreckt.

   ...18

 
-- Epipleuren der Flügeldecken breit, zur Spitze nur allmählig, wenig verschmälert. Augen fein facettiert. Kopf viel schmäler als der Halsschild. Prosternum vor den Vorderhüften quer niedergedrückt, Prosternalfortsatz zwischen den Hüften schneidig und so hoch als die Hüften.

   ...Proctenius Reitt.

 
#18 Augen gross, stark facettiert. Wenigstens die Klauen der Hintertarsen beim ♂ undeutlich gezähnelt, fasst glattrandig. Oberlippe gross, schwach quer. Körper ganz hell gelb, matt.

   ...Steneryx Reitt.


Von Seidlitz mit Proctenius vereinigt, was nicht zu rechtfertigen ist. Diese Gattung ist mehrfach ausgezeichnet und leicht zu präzisieren, was man von vielen anderen dieser Unterfamilie, selbst alten Gattungen, nicht immer behaupten kann.
 
-- Augen von normaler Grösse und sehr fein facettiert. Oberlippe quer. Körper schwarz, glänzend, breiter gebaut.

   ...Stenerophlina Reitter

 
#19 Flügeldecken dicht, rauh, greis behaart, die Behaarung auf den Zwischenräumen der Punktstreifen längsstreifig zusammengekämmt.

   ...Heliostrhaema Reitt.

 
-- Zwischenräume der Flügeldecken nicht längsstreifig behaart.

   ...20

 
#20 Epipleuren der Flügeldecken bis gegen die Spitze deutlich sichtbar, oftmals von der Mitte zur Spitze nur sehr schmal vorhanden.

   ...21

 
-- Epipleuren der Flügeldecken hinter den Hinterhüften schwindend, selten bis zum 3. Abdominalsternit reichend.

   ...24

 
#21 Der ganze Körper gleichmässig und gleichartig, sehr gedrängt und meist fein punktirt, und dicht, kurz, anliegend behaart.

   ...22

 
-- Körper ungleich punktirt, ungleich behaart, oder kahl, meistens glänzend.

   ...23

 
#22 Fühler dünn und schlank. Oberlippe groß. Mentum ohne Haarbürste. Endglied der Maxillartaster etwas länger als das vorletzte, zur Spitze stärker verbreitert und am Ende stark schräg abgestutzt.

   ...Cteniopus Sol.

 
-- Fühler kurz und gedrungen, die Basis des Halsschilds beim ♀ nicht, beim ♂ wenig überragend. Oberlippe quer, normal. Mentum mit kurz geschorener Haarbürste. Halsschild nach vorne stärker verengt. Körper schwarz, oder braunrot, niemals mit blauem oder grünem Scheine.

   ...Gasthrhaema Duval.

 
#23 Vorderhüften aneinanderstossend, diese nicht durch einen deutlichen plattenförmigen Fortsatz des Prosternums getrennt; schwarz, Flügeldecken schwarz, mit blauem oder grünem Scheine, selten braungelb; Halsschild und Abdomen manchal rot. Mentum selten mit einer kurz geschorenen Haarbürste.

   ...Heliotaurus Muls.

 
-- Der blechartig dünne Prosternalfortsatz zwischen den Vorderhüften deutlich die Mitte der Hüftenhöhe überragend, die Oberfläche derselben aber nicht ganz erreichend. Mentum mit kurz geschorener Haarbürste. Schwarz, Flügeldecken bräunlichgelb, die Basis der Fühler und die Palpen, dann zum Teil die Schienen und Tarsen gelb.

   ...Megischina Reitter

 
#24 Kinn mit kurz geschorener schwarzer Tomentbürste. Körper lang, schmal, schwarz, vom Ansehen eines kleinen Heliotaurus. Kopf samt den Augen so breit als der Halsschild.

   ...Heliomophlus Reitter

 
-- Kinn ohne kurz geschorene Tomentbürste, höchstens wie der übrige Teil des Kopfes behaart. Schwarz, Flügeldecken braungelb [Abb.11], seltener ganz schwarz.

   ...Omophlus Solier.

OMOPHLUS PROPAGATUS
Abb.11
 
  Allecula
Cteniopinus
Cteniopus
Gasthrhaema
Gonodera
Heliomophlus
Heliostrhaema
Heliotaurus
Holdhausia
Hymenalia
Hymenorus
Isomira
Megischia
Megischina
Mycetochara
Omophlina
Omophlus
Podonta
Podontinus
Prionychus
Proctenius
Pseudocistela
Stenerophlina
Steneryx
     Erstellt am: 12.06.2013
Letzte Aktualisierung: 26.11.2016 - 18:34:01